Wissenswertes

Karritz ist ein Ortsteil der Ortschaft Neuendorf am Damm und ist ein sogenanntes Rundlingsdorf.

Zwischen dem Nachbarort Neundorf am Damm und Karritz liegt der 50 Meter hohe Nelkenberg. Etwa 800 Meter von der Ortsmitte entfernt fließt der Secants- oder Königsgraben, weitere 500 Meter weiter fließt die Milde. In Karritz gibt es drei stehende Gewässer: den Dorfteich, Rohrpful und die Kieskuhle.
Die Feldflur war schon in der mittleren Stein- und Bronzezeit besiedelt. Im Stendaler Museum befindet sich eine in Karritz gefundene Feuerstein-Lanzenspitze. Neben einer Bronzeschwertspitze fand man im Moor ein bronzenes Hängebecken. Das Dorf soll von Slawen nach dem Jahr 800 gegründet worden sein. Die früheren Namen des Ortes waren Carritz, (1238 Carnitz, 1375 Karwitz, 1421 Karricz, 1472 Caructe, 1492 Carwitze, 1494 Karftetze, 1519 Carwitz, 1540 Kerbsen). Die Bezeichnung Karritz (karicz) bedeutet „Kuhdorf“ oder „Rodung“, ein Hinweis auf ausgedehnte Viehzucht.
Um 1900 war Carritz durch Rinderzucht und Hopfenbau eine wohlhabende Gemeinde.
Der Nelkenberg zwischen Neuendorf am Damm und Karritz war schon vor dem 15. Jahrhundert besiedelt.

Wechselvolle Geschichte

Otto Wernicke und Helmut Wiechmann trugen die historischen Fakten zusammen

Wie für viele Altmarkdörfer finden sich auch für Karritz und Neuendorf gesicherte schriftliche Quellen im 14. Jahrhundert. Verschiedene Funde belegen, dass schon in der Steinzeit in den heutigen Orten Menschen siedelten. Über die Jahrhunderte hinweg blieben es Bauerndöfer. Bis zur Wende prägte die Arbeit in der LPG das Leben vieler Einwohner. Heute arbeiten die meisten Karritzer und Neuendorfer außerhab ihrer Heimatorte.

Der Ortschronist Otto Wernicke und der ehemalige Bürgermeister Helmut Wiechmann haben sich intensiv mit der Hostorie von Neuendorf und Karritz auseinandergesetzt und dazu in verschiedenen Quellen geforscht. Erwähnt werden beide Orte im Landbuch Karls des IV. aus dem Jahr 1375. Karritz taucht bereits 1238 als Karnitz erstmals in den Quellen auf, später hieß es Karwitz, was soviel wie Kuhdorf bedeutet. Neuendorf war einst Nyendorp und vermutlich germanischen Ursprungs, während in Karritz, einem einstigen Rundlingsdorf, die Wenden siedelten.
Wer mehr über die wechselvolle Geschichte beider Altmarkdörfer erfahren will, kann in der Gedenkschrift zum 100-jährigen Bestehen der Karritzer Kirche aus dem Jahr 2005 und in der Chronik Neuendorfs, die Otto Wernicke mit Unterstützung von Helmut Wiechmann zusammengetragen hat, viel Interessantes lesen. So zum Beispiel Inschriften von Hausbalken, die Kirchen- und Schulgeschichte, vom Leben in der Landwirtschaft in verschiedenen Epochen, über Kriegs- und Nachkriegszeiten. Auch über den Schützenverein und die Feuerwehren gibt es Berichtenswertes. Lebendig machen diese Zusammenstellungen der Historie Berichte von Zeitzeugen, die Erinnerungen aus Kindheit, Jugend oder schweren und guten Zeiten aufgeschrieben und für die Nachwelt erhalten haben. Nach der Wende gab es noch zwei Jahre einen hauptamtlichen Bürgermeister und von 2002 bis 2009 leitete Helmut Wiechmann die Geschicke der Gemeinde. Neuendorf war Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Kalbe und später der VG Arendsee-Kalbe. Zum 1. Januar 2009 schloss es sich mit sechs weiteren Kommunen zur Großgemeinde Kalbe zusammen, die sich 2010 der Einheitsgemeinde Stadt Kalbe (Milde)anschloss. In den zurückliegenden Jahren ist viel für die Lebensqualität in beiden Orten erreicht worden. In Karritz entstand ein schmuckes Dorfgemeinschafts- und Feuerwehrgerätehaus, Gehwege und Straßen wurden ausgebaut. In Neuendorf wurde der Kreuzungsbereich saniert und das Gemeindehaus renoviert. 2006 ließ die Gemeinde einen Gedenkstein aufstellen, mit dem der Opfer von Krieg und Gewalt gedacht wird. Außerdem investierte die Gemeinde in den Jahren ihrer Selbstständigkeit in den ländlichen Wegebau sowie in den Bau von Spielplätzen in Karritz und Neuendorf. Trotz allem konnte, wie in anderen Dörfern auch, der Bevölkerungsschwund nicht aufgehalten werden. In Neuendorf hat die Einwohnerzahl mit 98 einen bisher nicht gekannten Tiefstand erreicht. Die meisten Arbeitsplätze, die die frühere LPG bereithielt, sind weggefallen.

Quelle: Volksstimme (Serie: „Kalbes schöne Dörfer“)

Berliner mit Faible für Mühlentechnik

Dampfmühle

Dietmar Sipptroth restaurierte und erhält die Dampfmühle

Ein Berliner mit einem Faible für historische Technik bescherte der Ortschaft Karritz eine Attraktion und einen Anziehungspunkt für Besucher. Dietmar Sipptroth kaufte die alte Dampfmühle am Ortsausgang nach Poritz. Er sanierte sie in den vergangenen zehn Jahren umfassend, so dass Interessierte an den Denkmal- und Mühlentagen, Transmissionen, Mahlsteine und auch den Fahrstuhl in Aktion erleben können. Mit viel Akribie trugen er und seine Lebenspartnerin Nadine Wagner passendes Zubehör, Bilder und weitere Zeitzeugnisse zusammen, so dass die Besucher in die Arbeit und das Leben des Dampfmüllers Robert Teek vor etwa 200 Jahren eintauchen können.
1905 ließ der Müller von der Firma Schlüter Mühlenbau aus Magdeburg Neustadt eine neue Mühle errichten, die über eine Dampfmaschine betrieben wurde, nachdem die alte Bockwindmühle bei Unwetter zerstört wurde. Die damals moderne Technik bestand aus zwei Mahlgängen und einem Schrotgang, einem Walzenstuhl, einer Schälmaschine, einem Sichter und einer Reinigungsmaschine, der Transmission (Kraftübertragung) und einem Fahrstuhl über drei Etagen. Bis 1950 wurde in der Mühle noch Tierfutter geschrotet. Danach ist der Betrieb eingestellt wurden.
Die Dampfmaschine hat ausgedient. Heute wird die Mühle zu Schauzwecken mit einem Elektromotor betrieben. Wenn die Mahlsteine rumpeln und der Hobbymüller voller Begeisterung die Funktionsweise der Technik erklärt, wird die „gute alte Zeit“ lebendig.

Quelle: Volksstimme (Serie: „Kalbes schöne Dörfer“)

Altar steht in Münchenlohra

Kirche in Karritz

Lange wussten die Karritzer nicht, was sie mit dem Ort Münchenlohra in Thüringen verbindet. Vor einigen Jahren haben sie es herausgefunden. In der dortigen Klosterkirche steht ein Flügelaltar, der einst das Karritzer Gotteshaus zierte. Im Zuge der Recherchen zur Festschrift zum 100. Jubiläum des Umbaus der Kirche ist der Gemeindekirchenrat darauf gestoßen. Als die Festlichkeiten und die Festschrift zum Kirchenjubiläum vorbereitet wurden, gab es auch Nachforschungen zur Historie des Gotteshauses. Im dritten Band des Buches „Kunstdenkmale der Provinz Sachsen“, 1933 herausgegeben vom Provinzialkonservator Herman Giesau, ist der Ort Carritz aufgeführt und die Dorfkirche beschrieben. Unter anderem wird ein Dreiflügelschrein erwähnt, der in dem Buch um 1520 datiert ist. Auch ein Bild des geschnitzten Marienaltares aus Karritz ist darin abgebildet.
Um 1933 wurde er ins Museum nach Stendal gebracht. Es war in dieser Zeit nicht unüblich, dass wertvolle Kunstgegenstände aus den Dorfkirchen ins Museum gegeben wurden.
Die Karritzer wissen, dass der Altar zwischenzeitlich im Stendaler Dom gestanden hat und 1950 zur Restaurierung nach Erfurt geschickt wurde. Von dort kam er in die romanische Basilika nach Münchenlohra. Die dortige Kirchengemeinde hat 1998/99 in die Restaurierung des Altares investiert. Der Altar könnte als Leihgabe nach Münchenlohra gebracht oder auch verkauft worden sein, mutmaßen Denkmalschützer. Der Gemeindekirchenrat hatte seinerzeit Kontakt mit der Kirchengemeinde in Münchenlohra aufgenommen. „Wir haben aber keinen Nachweis gefunden, ob die Kirchengemeinde damals den Altar verkauft hat oder ob es eine Leihgabe war“, sagte Gerlinde Nagel von der Kirchengemeinde. Es seien keine Unterlagen zur Abgabe des Altares mehr vorhanden, die einen Beweis bringen könnten. Allerdings könne sie sich nicht vorstellen, dass die reichen Karritzer Bauern das wertvolle Stück verkauft haben.
„Wir haben uns jetzt damit abgefunden und sind froh, dass der Altar dort gut aufgehoben ist“, sagte Gerlinde Nagel. Da es sich um ein Kunstwerk aus katholischer Zeit handele, passe er ja auch ganz gut in die katholisch geprägte Region um Münchenlohra, sagte sie versöhnlich.

Quelle: Volksstimme (Serie: „Kalbes schöne Dörfer“)

Die romanische Kirche in Karritz stammt aus dem 11./12. Jahrhundert. Im Frühjahr 1905 erneuerte man den Turm völlig, die Umfassungsmauern blieben erhalten. Beim Entfernen der alten Tünche kamen an den Wänden Bibelsprüche und in der Apsis das Vaterunser zum Vorschein. Die Bemalungen sind restauriert worden.