Kalbe – Stadt der hundert Brücken

Der Erholungsort Kalbe (Milde) ist ein gastfreundliches Fachwerkstädtchen in der Mildeniederung, im Zentrum der Altmark.

1000 Jahre und noch viel mehr

Stadt hat wechselvolle Geschichte hinter sich

Im Jahr 1983 waren die Kalbenser Gastgeber für ein Fest von bisher nie dagewesener Größenordnung – vergleichbar mit den heutigen Landesfesten. Damals feierte die Stadt die ein ganzes Jahrtausend zurückliegende, urkundliche Ersterwähnung. Noch heute erinnert am Kulturhaus ein großer Stein mit Inschrift an diese Mammutveranstaltung, die als 1000-Jahr Feier in die Annalen einging.

Im Jahr 983 war es allerdings noch keine Stadt, die in den Geschichtsbüchern auftauchte, sondern ein Kloster namens Calvo oder Calva. Der Überlieferung nach bedeutet der Name so viel wie „Kahle Stelle im Sumpf“. Denn die Milde war ein unreguliertes Urstromtal. Erst im 17. Jahrhundert erfolgten erste Meliorationsmaßnahmen. In besagtem Kloster soll auch die Äbtissin Oda von Haldensleben gelebt haben. Sie soll vom späteren polnischen König Misesco entführt und dann geehelicht worden sein. Eine markgräfliche Burg taucht erstmals 1196 in den Geschichtsbüchern auf. Mehrfach jedoch wird sie komplett zerstört. 1324 erwirbt Sie Albrecht von Alvensleben und dazu auch einen Burgward, der sich auf den Kalbeschen Werder bezieht und der von seiner Fläche her nur unwesentlich kleiner ist als die heutige Einheitsgemeinde Kalbe.

Besondere Bedeutung erlangt die Stadt, deren Ortsname sich seit 1952 mit K statt mit C schreibt, zum Zeitpunkt des Zweiten Weltkrieges. Aufgrund ihrer feuchten Umgebung bietet sie sich als idealer Standort für den größten Längswellensender der Welt, den Goliath, an. Mit ihm sollen deutsche U-Boote in allen Teilen der Weltmeere erreicht werden. Nach dem Krieg dient das Areal den Alliierten kurzzeitig als Lager für bis zu 80000 Gefangene. Der Sender wird demontiert und in die damalige Sowjetunion verbracht, wo er nach jüngsten Informationen bis heute in Betrieb sein soll.

Der Kalbenser Henning Krüger hat zur Geschichte seiner Heimatstadt alle wichtigen Informationen zusammengetragen und diese im Internet unter www.kalbe-milde.de veröffentlicht. Seine Sammlung gilt als besonders umfangreich.

Quelle: Volksstimme (Serie: „Kalbes schöne Dörfer“)

Das Kulturhaus in Kalbe (Milde)

Das hiesige Kulturhaus sollte eigentlich in Calbe an der Saale gebaut werden (einer deutlich größeren Stadt südlich der Landeshauptstadt Magdeburg gelegen) und nicht in Kalbe an der Milde. Als man diesen „Fehler“ erkannte, vermutlich durch eine Namensverwechselung beider Städte, war es bereits zu spät. Und Kalbe an der Milde erhielt das Kulturhaus, welches eigentlich in Calbe an der Saale gebaut werden sollte. Dieses Gerücht hält sich deshalb so hartnäckig, weil es kaum vorstellbar war, dass so ein kleiner Ort, wie Kalbe an der Milde, ein so großes Kulturhaus bekommen konnte.

24 Stunden einsatzbereit

Kalbenser Ortswehr und ihre Löschgruppen

Die Kalbenser Ortswehr ist eine von fünf in der Einheitsgemeinde, die rund um die Uhr einsatzbereit sind. In Kalbe selbst gibt es 59 Aktive. In Bühne werden 13 und in Vahrholz 19 Mitglieder gezählt. Zudem gehören zur Kalbenser Ortswehr eine Jugendwehr mit 20 Mitgliedern, die 15 Mitglieder starke Kinderfeuerwehr und die Abteilung der Ehren- und fördernden Mitglieder, in die 33 Frauen und Männer integriert sind. Die Kalbenser Ortsfeuerwehr ist mit insgesamt neun Fahrzeugen ausgestattet.

(Quelle: Volkstimme auszugsweise aus: Kalbes schöne Dörfer)

Quelle: Volksstimme (Serie: „Kalbes schöne Dörfer“)

Ein Schatz, der in Kalbe im Verborgenem liegt

Die Privatbibliothek des einstigen Luther-Schülers Elias Hofmann umfasst mehr als 1700 Schriften

Die Kirchgemeinde Kalbe ist im Besitz eines Schatzes. Dieser ist von unermesslichem Wert, doch kann er der breiten Öffentlichkeit nicht zugänglich gemacht werden. Und dies hat nicht nur sicherheitstechnische Gründe. Denn bei dem Schatz, der beide Kriege überlebt hat, handelt es sich um eine Sammlung von reformatorischen Schriften, die größtenteils in lateinischer Sprache verfasst sind. Sie wurden einst von Elias Hoffmann zusammengetragen. Er war der erste protestantische Pfarrer der Mildestadt und zugleich Lektor eines Verlages, der reformatorische Schriften veröffentlicht hat. 1518 wurde Hofmann im böhmischen Budweis geboren und hat später in Wittenberg bei keinem Geringeren als Martin Luther studiert. 1548 ist Hofmann dann nach Kalbe berufen worden. Bis zu seinem Tode im Jahre 1579 und seinem anschließendem Begräbnis in der örtlichen Kirche hat er hunderte Bände gesammelt. Seine umfassende Privatbibliothek hat der Vater von elf Kindern der Kirchgemeinde vermacht, wobei bis heute nicht geklärt werden konnte, ob er dies selbst verfügt hat. „Der Bestand“, so Christoph Neumann, der von 1987 bis 2010 als Kalbenser Pfarrer tätig war und der sich in dieser Zeit intensiv mit dem Leben und Wirken Hoffmanns beschäftigt hat, läßt „sich mit dem der Stendaler Dombibliothek vergleichen“. Er dient in erster Linie der wissenschaftlichen Aufarbeitung und befindet sich nach wie vor an einem geheimen Ort, der nur wenigen zugänglich ist. Ganz im Gegensatz zur Kirche, die um 1170 in romanischem Stil erbaut wurde.

Quelle: Volksstimme (Serie: „Kalbes schöne Dörfer“)

Viele unvergessliche Erlebniss

Kalbenser Kulturhaus lockte seit der Eröffnung 1956 unzählige Besucher an

„Zu Ehren der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution finden neue Volkskunsttreffen und Konzertveranstaltungen statt“. So schrieb es der Chronist des Kalbenser Kulturhauses im November 1958 in das rote Ehrenbuch. Wenige Wochen zuvor war der zweite Bauabschnitt des imposanten Gebäudes, das 1956 eröffnet worden war, fertiggestellt worden. Es handelte sich dabei um den Theatersaal. Die Blütezeit liegt längst hinter dieser Kulturstätte. Seit Jahren kann der Saal aufgrund von strengen Brandschutzauflagen nicht genutzt werden. Zudem müsste in die Elektroanlage investiert werden. Ansonsten aber scheint es, als hätten Frank Schöbel oder Hauff und Henkler erst gestern dort gesungen, als sei gerade der letzte Vorhang für ein Stück Theaters der Altmark gefallen oder als seien die Lichtstrahlen aus dem Raum des Filmvorführers eben erst erloschen. Das Kulturhaus hat den Menschen der Region von jeher unvergessliche Momente beschert.
Bis heute wird es für Veranstaltungen genutzt. Sie finden nun allerdings nicht mehr im Theatersaal, sondern im Mehrzwecksaal statt. Dieser ist 1977 seiner Bestimmung übergeben worden. Zur 1000-Jahr-Feier von Kalbe im Jahr 1983 sorgten dann auch die Veranstaltungen auf der Freilichtbühne für Furore. Sie ist bis heute Austragungsort des Burgfestes.
Vor allem die Stars der Volksmusikszene locken nach wie vor hunderte Gäste ins Kulturhaus. Arbeitsgemeinschaften und Vereine sind dort hingegen nicht mehr zu finden. Dafür haben der Klub der Volkssolidarität und bald auch die Stadtbibliothek hier ihr Domizil. Die Räume sind mit 80000 Euro aus Landesfördermitteln hergerichtet worden. Auch eine sechsstellige Summe Leadermittel ist in jüngster Vergangenheit ins Objekt geflossen. Das Kulturhaus, in dem es einst mehrere hauptamtliche Mitarbeiter gab, ist im Jahr 1997 vom Kreis an die Stadt Kalbe übergeben worden. International bekannte Künstler wie Donovan oder Chris Norman, die schon in Kalbe gastiert haben, sind seither nicht mehr verpflichtet worden. Das Haus wird von der Stadtverwaltung betreut und an Fremdveranstalter vermietet. Die haben für dieses Jahr bereits Michael Hirte (4. Oktober) und Protagonisten des Musicals „Über sieben Brücken“ (6. November) für Kalbe gebucht. Zudem bitten Monika Martin und Kollegen zum Adventsfest der Gefühle (29.November).

Quelle: Volksstimme (Serie: „Kalbes schöne Dörfer“)