Engersen und Klein Engersen

Die Ortsteile im Überblick

  • LAGE: südlichster Ortsteil der Einheitsgemeinde Stadt Kalbe (Milde), Nachbarorte Kalbe, Schenkenhorst, Wiepke, Wernstedt, westlich grenzt die Gemarkung an die Bundestraße 71
  • ORTE: Klein Engersen mit 65 Einwohnern und Groß Engersen mit 499 Einwohnern
  • ORTSBÜRGERMEISTER: Herr Wilfried Hartmann, Sprechstunde: mittwochs von 16:30 bis 17:30 Uhr im Gemeindebüro
  • SOZIALE EINRICHTUNGEN:  Dorfgemeinschaftshaus an der Bahnhofstraße
  • KIRCHENGEMEINDEN: Klein Engersen – Kirchenratsvorsitzender Uwe Schmidt, Groß Engersen – Kirchratsvorsitzender Wilfried Hartmann, zuständiges Pfarramt Estedt, Gemeindepädagoge Lutz Brillinger
  • FEUERWEHR Engersen, Wehrleiter Rainer Kepplinger
  • VEREINE: Sportverein, Männergesangsverein, Frauenchor, Volkssolidaritätsortsgruppe, Spielmannszug Wernstedt/ Engersen

Engersen

Ansicht von Richtung B71

Wechselhafte Historie

Engersen ist mit 564 Einwohnern die viertgrößte Ortschaft der Einheitstgemeinde Stadt Kalbe (Milde). Das erste schriftliche Zeugnis für beide Orte stammt aus dem Jahr 1238. Landwirtschaft und Landleben bestimmten die wechselvolle Geschichte der Dörfer zwischen Mildetal und Zichtauer Bergen.

Engerbu parvum (Klein Engersen) und Engerbu magnum (Groß Engersen) bei Calve (Kalbe) gab der Graf Siegried von Osterburg und Altenhausen im Jahr 1238 an den Abt Gerhard von Werden und Helmstedt zurück. Die dabei erstellte sogenannte Resignationsurkunde ist das älteste erhaltene Dokument, das auf die beiden Orte hinweist. Der Name Engerbu ist germanischen Ursprungs. Historiker vermuten aber, das Slawen – auch Wenden genannt – zunächst das heutige Klein Engersen und später auch Groß Engersen gründeten. Dafür spricht die Form der Siedlungen als Rundlinge – in Groß Engersen um die Kirche erkennbar. Später siedelten dann auch die Germanen in den fruchtbaren Auen.
Im 15. Jahrhundert besaß die Familie von Alvensleben ein Gut in Engersen. Anfang des 19. Jahrhunderts kauften es 21 Engersener Bauern für insgesamt 50000 Taler. Auf Anordnung des Preußenkönigs Friedrich II. kam es um 1770 zur ersten Milderegulierung, die zweite erfolgte von 1884 bis 1908. Beide Maßnahmen verbesserten erheblich die Voraussetzungen für die Landwirtschaft. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde 1953 die erste landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft gegründet. Nach der Wende entstand die Agrargenossenschaft Engersen. Zudem gründeten sich die Landwirtschaftsbetriebe Kunze in Klein Engersen, Deperade und Kunze in Groß Engersen. Diese und viele weitere interessante Fakten aus der Geschichte Engersens sind in der Chronik nachzulesen. Eine Zusammenfassung gibt es zudem in der kleinen Broschüre, die anlässlich der 750-Jahrfeier 1988 erstellt wurde. Beides verwahrt Ortsbürgermeister Wilfried Hartmann.
Wahrzeichen beider Orte sind die Kirchen. Das Gotteshaus in Groß Engersen ist Bestandteil der Straße der Romanik. Anfang des 13. Jahrhunderts als Wehrkirche gebaut, verfügt sie inzwischen über barocke Anbauten und Ausstattung. Besonders wertvoll ist ein Triumphkreuz aus der Bauzeit der Kirche, das heute allerdings im Altmärkischen Museum in Stendal ausgestellt ist und nur zu besonderen Anlässen nach Engersen geholt wird. Politisch gehörte die Gemeinde mit ihren beiden Ortsteilen vor der Wende zum Gemeindeverband Kalbe. Anschließend schloss sich die Gemeinde der Verwaltungsgemeinschaft Estedt an, es folgten die Jahre in der VG Kalbe und schließlich in der ungeliebten Schlauch-VG Arendsee-Kalbe. Nach umfangreichen und kontroversen Diskussionen im Gemeinderat zur vom Land in die Wege geleiteten Gebietsreform gehört Kalbe nun zur Einheitsgemeinde Stadt Kalbe (Milde). Die Gemeinderäte haben es sich nicht leicht gemacht, sahen aber im Sinne der Bürger keinen anderen Weg.

Quelle: Volksstimme (Serie: „Kalbes schöne Dörfer“)

Männergesangsverein und Frauenchor

Nachwuchs gesucht

„Wo man singt, da lass dich ruhig nieder…“, lautet ein Sprichwort. Das haben auch die 21 aktiven Mitglieder des Männergesangsvereins verinnerlicht. Im vergangenen Jahr feierten sie das 90-jährige Bestehen ihres Vereins. Auch fünf fördernde Mitglieder des Männgergesangsvereins gehöhren dazu. Was dem Chor fehlt, sind sangesfreudige Herren jeden Alters, die die einzelnen Stimmen verstärken. In Rainer Rodzis haben die Sänger einen erfahrenen musikalischen Leiter, der die Anfänger einfühlsam integriert. Die Übungsabende sind immer montags im Dorfgemeinschaftshaus. Im Sommer beginnen sie um 20:00 Uhr, im Winter 19:30 Uhr. Zudem stehen jährlich rund 20 Auftritte auf dem Programm. Wer bei der lustigen Truppe mitmachen möchte, kann sich an den Vorsitzenden Herrn Herzmann in Engersen wenden oder einfach zur Probe kommen. Sein Stellvertreter ist Herr Jung.

„Singen entspannt und lenkt ab vom beruflichen Stress“, sagt die musikalische Leiterin des Frauenchores Engersen, Doreen Randau. 20 aktive Sängerinnen und drei fördernde Mitglieder hat der Chor. Übungszeit ist immer mittwochs von 19:30 bis 21:00 Uhr. Sie beginnt mit Einsinge- und Auflockerungsübungen, bevor die Sängerinnen ihr eigentliches Reportoire proben. Es besteht aus Volks- und Chorliedern. Gesungen werden aber auch moderne und Gospelstücke. Die Sängerinnen beratschlagen gemeinsam, was sie in ihr Programm aufnehmen. Bei aller Disziplin während der Proben kommt auch die Geselligkeit nicht zu kurz. Kleine Tanzeinlagen lockern die Übungsabende auf. Ihr Können präsentieren die Sängerinnnen bei Auftritten. Sie singen zu Gemeindeveranstaltungen, Chortreffen und -festen, während der Weihnachtszeit und zu anderen Anlässen. Auch sie würden sich über neue Mitglieder freuen. Interessierte könnten erst probieren, ob der Chorgesang etwas für sie ist. Vorsitzende des Chores ist Frau Haberland.

Quelle: Volksstimme (Serie: „Kalbes schöne Dörfer“)

Sportverein Engersen

Vielseitige Sportler

Fußballspielen, Reiten, Volleyball, Tischtennis und Sportgymnastik sind die Sportarten, die unter der Regie des Engersener Sportvereins betrieben werden können. Er wurde schon 1921 gegründet und hat rund 150 Mitglieder. Im kommenden Jahr soll das 90-jährige Bestehen gefeierte werden. Besonders erfolgreich sind die Engersener Sportler in den Disziplinen Vielseitigkeitsreiten und Fußball. Die Fußballer spielen in der ersten Kreisklasse. Die Fußballsektion will zudem eine G-Jugendmannschaft gründen. Die Vielseitigkeitsreiter haben schon Erfolge auf Landes- und Bundesebene sowie international erzielt. Alle zwei Jahre organisiert der Sportverein ein großes Vielseitigkeitsturnier. Über die Grenzen Engersens hinaus bekannt und beliebt ist die sogenannte Sportchallange mit dem Seifenkistenrennen. Diese jährliche vom Sporverein organisierte Veranstaltung zieht immer hunderte Besucher an. Etwas beschaulicher geht es dagegen beim Sportfest am 1. Mai zu, das der Sporverein in jedem Jahr veranstaltet. Informationen zum Sportverein gibt es auch unter dessen Internetseite: www.sv-engersen.de.

Quelle: Volksstimme (Serie: „Kalbes schöne Dörfer“)

20 Jahre nach der Wende

Viel für Orte erreicht

In den vergangenen 20 Jahren ist in Engersen einiges erreicht worden. An vorderster Stelle steht für Ortsbürgermeister Wilfried Hartmann der Ausbau der Gemeindestraßen in Zusammenarbeit mit dem heutigen Landesbaubetrieb Nord und dem Altmarkkreis Salzwedel. Die Kommune selbst hat ebenfalls viel in den Ausbau der Fahrbahnen und Gehwege investiert. Als größeres Vorhaben steht in diesem Zusammenhang noch der Ausbau der Ortsdurchfahrtsstraße in Klein Engersen an. Zudem hat die Gemeinde die ehemalige Verkaufsstelle in ein schmuckes Dorfgemeinschaftshaus umgebaut. Nebenan erhielt die Feuerwehr ihr Domizil. Der Sportverein wurde bei der Unterhaltung der Plätze und der Renovierung des Sportlerheims großzügig unterstützt. Ein noch nicht abgeschlossenes Projekt ist die Flurerneuerung mit dem umfangreichen Ausbau zahlreicher ländlicher Wege. Zudem hat die Gemeinde Engersen trotz geringer Kinderzahlen die Kita erhalten und die Kirchengemeinde bei der Sanierung der Gotteshäuser und weiterer Einrichtungen finanziell unterstützt, so Hartmann. Großes Augenmerk sei auch auf die Gestaltung des Dorfbildes und dessen Pflege gelegt worden.

Quelle: Volksstimme (Serie: „Kalbes schöne Dörfer“)

Grabdenkmal für Ludolf XVII. v. Alvensleben in der Dorfkirche Groß Engersen

Der Hof in Groß Engersen befand sich von 1420 bis 1812 im Besitz der Alvensleben. Nach dem Tode von Ludolf XI. v. Alvensleben (1546-1589) auf Calbe diente er als Witwensitz seiner Frau Anna v. der Schulenburg (+1604). Hieran erinnern noch zwei Leuchter auf dem Altar der Kirche mit den Namen und Wappen des Ehepaares und der Jahreszahl 1592. Die spätromanische Kirche stammt aus dem 13. Jahrhundert und liegt an der Straße der Romanik.

Die Feuerwehr

Aktive Kameraden

Seit 1925 gibt es eine Feuerwehr in Groß Engersen. Momentan hat sie 24 aktive, fünf passive und fünf Mitglieder in der Ehrenabteilung. Die Aktiven treffen sich zwei- bis dreimal wöchentlich jeweils sonnabends zu Diensten und Übungsstunden im Gerätehaus. Es ist gleich neben dem Dorfgemeinschaftshaus untergebracht und verfügt über eine moderne Ausstattung. Mit einem Löschfahrzeug (LF8) und einem Mannschaftswagen (MTW) ist die Wehr auch technisch gut ausgerüstet. Zu zwischen vier bis acht Einsätzen müssen die Einsatzkräfte jährlich ausrücken. Sie sind auch bei Unfällen an der Bundesstraße 71 gefordert. Die Wehrleute laden jedes Jahr zum Maibaumaufstellen ein und unterstützen die Vereine bei Veranstaltungen. Sie übernehmen auch die Sicherstellung des Osterfeuers.

Quelle: Volksstimme (Serie: „Kalbes schöne Dörfer“)

Klein Engersen

Wissenswertes

Klein Engersen ist ein Ortsteil der Ortschaft Engersen.

In Klein Engersen „engerbu parvum“ wird die Bauernfahne aus dem Jahr 1674 in der Feldsteinkirche aufbewahrt.
Schlicht und bescheiden präsentiert sich die im 12. Jahrhundert als Wehrkirche errichtete Feldsteinkirche von Klein Engersen ihrem Betrachter. Die großen, Ende des 17. Jahrhunderts eingebauten Fenster haben ihr das wehrhafte Aussehen genommen. Auch der aufgesetzte Ziegelturm entstand im Baustil jener Zeit.
Im Innern der Kirche fällt der Blick auf einen, die ganze Wand des Chorraumes einnehmenden Kanzelaltar. Seine Säulen und sein Giebeldach weisen darauf hin, dass er im Stil der Renaissance errichtet wurde.
Die Renaissance, auf gut deutsch die Wiedergeburt, begann im 14. Jahrhundert in Italien. Über Frankreich gelangte sie schließlich auch nach Deutschland. Da sich dieser Baustil in Deutschlad bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts hielt, ist das Entstehungsjahr des Kanzelaltars heute auch nicht mehr feststellbar.
Erst auf den zweiten Blick entdeckt man die Bauernfahne neben der Kanzel. Eine Urkunde an der Wand gibt darüber Auskunft.

Sie lautet:
Zur Nachricht diene, daß gegenwärtige Fahne vom Jahre 1675 zum heutigen Tage auf dem Ackerhofe Nummer 1 allhier, welcher bis daher zugleich der Lehnschulzenhof gewesen, aufbewahret wurden ist. Am heutigen Tage, wo das 50jährige Jubiläum der Erhebung des Preußischen Volkes im Jahre 1813 gefeiert wurde, wurde dieselbe von der jetzigen Besitzerin obengedachten Ackerhofes, der verwitweten Schulze Anna Elisabeth geb. Garz, bereitwillig der Gemeinde überlassen, um bei dem Aufzuge gebraucht zu werden, der vor den alten Kriegern aus Jahren 1813 bis 1815 von den Landwehrmännern gehalten wurde. Sie wurde jedoch von diesem Tage an nicht wieder an ihren früheren Aufbewahrungsort zurückgebracht, sondern in der Kirche aufgehangen, zum Erinnerungszeichen für jedermann, wie das Preußische Volk von jeher seinem Fürsten mit Gut und Blut zu dienen bereit war.

Klein Engersen, den 17.März 1863

Quelle: Volksstimme (Serie: „Kalbes schöne Dörfer“)